Was wir von Synästhesie lernen können
Rund 4 Prozent der Bevölkerung ist von der Synästhesie betroffen und nimmt die Welt anders wahr. Wir alle können jedoch von diesem Phänomen etwas lernen.
Normalerweise verarbeitet das Gehirn Reize von aussen überwiegend getrennt: Jeder Reiz wird an das entsprechende Areal im Gehirn weitergeleitet und erzeugt eine einzelne Sinnesempfindung. Konkret heisst das: Wenn jemand zu Ihnen «Halt!» sagt (Reiz), hören Sie «Halt!» (Sinnesempfindung).
Bei der Synästhesie aktiviert jedoch ein Reiz mehrere Hirnareale gleichzeitig. Sie hören also «Halt!» und empfinden dabei eine zusätzliche Sinnesempfindung, zum Beispiel ein Stechen auf der Haut, oder Sie sehen die Farbe Lila. Diese Verbindungen entstehen automatisch durch die Verarbeitung im Gehirn. Bemerkenswert dabei ist, dass Menschen mit Synästhesie diese Verknüpfungen ein Leben lang beibehalten. Was sich einmal miteinander verbindet, bleibt.
Was wir von Synästhesie lernen können
Synästhesie ist wie ein Fenster in die Vielfalt menschlicher Wahrnehmung und verdeutlicht, dass unsere Realität stark davon abhängt, wie das Gehirn sie verarbeitet. Menschen mit Synästhesie profitieren von aussergewöhnlichen Vorteilen. Auch für Menschen ohne Synästhesie kann das Phänomen aber als Inspiration dienen, die eigenen Sinne gezielter einzusetzen, um kreativer zu lernen und Informationen vielseitiger zu verarbeiten.
| Farbenfrohes Lernen | Sie können Farben gezielt für Notizen oder Mindmaps nutzen. Unterschiedliche Farben helfen, abstrakte Informationen besser zu verankern und erleichtern das schnelle Wiederfinden von Zusammenhängen. Schreiben Sie zum Beispiel wichtige Begriffe in unterschiedlichen Farben: Vokabeln in Blau, Grammatikregeln in Rot. So merkt sich Ihr Gehirn Inhalte schneller. |
| Visualisierungsübungen | Versuchen Sie beim Musikhören oder Lesen bewusst, innere Bilder oder Bewegungen entstehen zu lassen. Stellen Sie sich Musik zum Beispiel als einen Fluss aus Formen und Farben vor. Das aktive Vorstellen fördert die Vernetzung verschiedener Hirnareale, fördert die Kreativität und macht Inhalte leichter merkbar. |
| Verknüpfungen herstellen | Sie können neue Informationen mit bestehenden Sinneseindrücken oder Erfahrungen verbinden: zum Beispiel einen Namen mit einem markanten Bild (Bernd trägt immer eine grüne Brille). Auch Reime oder ungewöhnliche Bilder können das Erinnern erleichtern. |
| Bewusst wahrnehmen | Auch Ihre Aufmerksamkeit lässt sich schärfen, indem Sie bewusst auf kleine Details achten. Dieses bewusste Wahrnehmen trainiert die Sinne, fördert die Konzentration und verbessert die Beobachtungsgabe: Welche Farbe hat der Boden? Woher kommt dieser spezifische Geruch? Nehmen Sie Ihre Umgebung bewusst wahr. |