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Was macht die Umwelt mit unserem Gehirn?

Umweltveränderungen beeinflussen nicht nur den Planeten, sondern auch unsere Gesundheit. Feinstaub, Lärm- und Lichtverschmutzung fördern die Alterung des Gehirns und reduzieren Lern- und Leistungsfähigkeit. Wie können wir diesem scheinbar fast unausweichlichen Problem begegnen?

Dass Umweltveränderungen die Gesundheit belasten, ist anhand zahlreicher wissenschaftlicher Studien belegt. Bereits heute ist der Klimawandel Teil des Medizinstudiums. Die Thematik wird unter dem Begriff der «planetaren Gesundheit» gefasst und behandelt die enge Verbindung zwischen Gesundheit und globalen Umweltveränderungen.

 

Feinstaub lässt das Gehirn altern

Feinstaub entsteht, wenn Öl, Gas, Kohle oder Holz verbrannt wird. Die mit Giftstoffen gefüllten Schwebepartikel gelangen über die Atemwege ins Blut. Lange wurde angenommen, dass die sogenannte Blut-Hirn-Schranke, eine Zellschicht in den Blutgefässen des Gehirns, dieses vor Feinstaub schützt.

Nun konnte belegt werden, dass dem nicht so ist. Das Gehirn ist nicht besser vor Luftverschmutzung geschützt als andere Organe.

Die Feinstaubpartikel aktivieren das natürliche Abwehrsystem des Gehirns. In den Immunzellen werden Moleküle freigesetzt, die Entzündungen steuern. Sind wir ständig verschmutzter Luft ausgesetzt, kommt es zu einer chronischen Entzündung. Diese Entzündung wiederum führt dazu, dass Nervenzellen absterben und das Gehirn schneller altert.

Wo früher lediglich von einem erblich bedingten Risiko ausgegangen wurde, weiss man heute, dass Alzheimer-Demenz zu 40 bis 65 Prozent von Umwelteinflüssen verursacht ist – Luftverschmutzung zählt zu den Hauptrisikofaktoren. Dieser Zusammenhang konnte in mehreren Studien festgestellt werden. Noch ist aber ungeklärt, wie genau die Häufigkeit neurodegenerativer Erkrankungen mit schlechter Luft zusammenhängt.

 

Stadt und Land sind betroffen

Nicht nur verschmutzte Luft, auch Licht und Lärm in unserer Umwelt wirken sich negativ auf das Gehirn aus. Die Lichtverschmutzung in grösseren Städten bringt die Hormone aus dem Gleichgewicht, die unsere Schlaf- und Wachphasen regulieren. Und auch bezüglich anhaltender Lärmbelastungen warnt das Schweizer Bundesamt für Umwelt BAFU, dass sie Schlafstörungen verursacht. Zudem reduziert Lärm die Lern- und Leistungsfähigkeit.

Tun wir unserm Gehirn also etwas Gutes, wenn wir uns aus der lärmenden und feinstaubbelasteten Grossstadt aufs idyllische Land zurückziehen? Leider nicht unbedingt. Auch Pestizide können beispielsweise das Gehirn schädigen. Studien haben ergeben, dass verschiedene Pflanzenschutzmittel die Entwicklung von Nerven- und Hirnstrukturen beeinträchtigen; darunter Strukturen, die mit der Lern- und Gedächtnisfunktion zusammenhängen. Die Schäden scheinen zum Teil deutlich zu sein: In Frankreich wird sogar Parkinson seit 2012 als durch Pestizide verursachte Berufskrankheit von Landwirten anerkannt.

Individuelle Veränderungen schützen das Gehirn

Was also tun, um das Gehirn trotz alldem zu schützen? Auf jeden Fall nicht resignieren. Dies schon deshalb, weil die Umwelt zwar Einfluss auf unseren Körper hat – in gesundheitlichen Fragen aber persönliche Entscheidungen viel mehr bewirken. Menschen neigen dazu, dieses Verhältnis falsch einzuschätzen. So ist die Belastung des Gehirns beispielsweise durch das Rauchen, durch einseitige, fettreiche Ernährung oder Stress noch ungleich höher als die durch Feinstaub. Wer sein Gehirn fit halten will, schafft das am besten dadurch, dass er / sie den Körper fit hält – durch eine ausgewogene Ernährung, wenig Konsum von Suchtmitteln sowie regelmässige Bewegung und Erholung.

Zudem tragen wir alle dazu bei, wie unsere Umwelt aussieht. Auch wenn die Welt nicht von heute auf morgen gerettet werden kann, sind kleine Schritte hilfreich. Viele Massnahmen zum Umweltschutz, die jede und jeder einzelne für sich trifft, wirken sich gleichzeitig auch positiv auf die Gesundheit aus. Wer beispielsweise nachhaltiger angebaute Produkte isst, hilft nicht nur mit, dass weniger Pestizide versprüht werden; auch die Belastung von Giftstoffen im eigenen Körper wird tiefer. Und wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt statt mit dem Auto, trägt nicht nur zu einer besseren Luftqualität bei; auch das Gehirn profitiert von der zusätzlichen Bewegung.